Facebook geht an die Börse

Nach langem Hin und Her nun doch: Seit heute ist Facebook auf dem Börsenparkett notiert. In den letzten Tagen hatte der Preis der Papiere schwindelerregende Höhen erreicht. Denn aufgrund der enormen Nachfrage ist die Preisspanne pro Anteilsschein zuletzt auf 34 bis 38 Dollar gestiegen.

Informationen zum Börsendebüt

Ab heute dürfen sich viele Anleger endlich am weltgrößten Online-Netzwerk beteiligen. Bis heute zählt das Unternehmen gut 900 Millionen Kunden. In den letzten Tagen herrschte in Kalifornien eine wahre Goldgräberstimmung: So wurde eine enorme Nachfrage nach den insgesamt 337,4 Millionen Aktien registriert.

Dieser enorme Andrang führte Anfang der Woche zu einer Überzeichnung der Emission, so dass die Orderbücher bereits diesen Dienstag geschlossen werden mussten – zwei Tage früher als ursprünglich vorgesehen. Facebook ist aktuell etwa 100 Mrd. Dollar wert. Da das Online-Netzwerk nur einen Bruchteil seiner Anteilsscheine öffentlich zum Verkauf anbot, wurde vorab mit Einnahmen im Höhe von bis zu 12,8 Mrd. Dollar gerechnet.

Weil das Börsenprospekt lediglich für die USA Gültigkeit hat, können die Facebook-Aktien in Deutschland nicht gezeichnet werden. Kleinanleger gehen ohnehin zumeist leer aus.

Viele Experten sehen Unternehmen als überbewertet

Mit Facebook ist der größte Börsengang eines Technologieunternehmens erfolgreich über die Bühne gegangen. Konkurrent Google hatte bei seiner Premiere fast 1,7 Mrd. Dollar erlöst, während das Börsendebüt der Telekom-Tochter T-Online im Jahre 2000 2,8 Mrd. Dollar in die Kassen des Unternehmens spülte.

Nach Aussage zahlreicher Experten geht die Investition in das Unternehmen mit Blick in die Zukunft auch mit hohen Risiken einher. Denn im abgelaufenen Jahr belief sich der Umsatz des Unternehmens gerade mal auf 3,7 Mrd. und der Gewinn auf nur 1 Mrd. Dollar. Bezieht man Letzteres auf das Ergebnis je Aktie, waren das lediglich 0,52 Dollar. Wird ein Unternehmenswert von 100 Mrd. Dollar zugrunde gelegt, so ist Facebook derzeit mit ungefähr dem 26-fachen Umsatz und dem 70-fachen Gewinn (KGV) des vergangenen Jahres bewertet.

Zum Vergleich: Der Börsengang von Microsoft ging seiner Zeit mit einer Bewertung des fünffachen Jahresumsatzes einher. Selbst wenn das Unternehmen in 2012 einer Gewinnverdoppelung verzeichnen könnte, würde sich das KGV noch bei 33 befinden. Demzufolge sehen viele Analysten die Facebook-Aktie als schlichtweg überbewertet an. Eine Beteiligung wäre demnach nur stark risikoorientierten Anlegern zu empfehlen.

Wachstumsperspektiven gelten als unsicher

Anlageexperten kritisieren insbesondere die unsichere Ertragsperspektive. Auch Staranleger Warren Buffet hat bereits angekündigt, sich definitiv nicht an Facebook beteiligen zu wollen. Denn derzeit generiert Facebook pro Nutzer einen Umsatz von gerade mal 1,21 Dollar. Um diesen steigern zu können, ist das Online-Netzwerk dringend auf weiteres Wachstum angewiesen.

Fachleute fragen sich jedoch, woher dieses kommen soll. Aktuell werden 85% des Umsatzes aus Werbeeinnahmen generiert. Aber abgesehen davon, dass die Werbung ohnehin nur von wenigen Nutzern angeklickt wird, erscheinen die Anzeigen nur auf PC-Bildschirmen. Dabei wird das Online-Netzwerk von 450 Mio. Kunden mobil angesteuert. Der Anteil von Facebook an der mobilen Werbung liegt nahezu bei Null.

Als neues Geschäftsfeld hat Facebook erst kürzlich das App Center vorgestellt. Hierbei handelt es sich, wie etwa der App Store, um eine Handelsplattform für mobile Betriebsprogramme. Facebooks Interesse liegt darin, von Spieleherstellern und Zeitungsverlagen eine Gebühr für die Auflistung im App Center zu verlangen. Bislang lässt sich jedoch feststellen, dass Facebooks Ideen meist als Flop endeten. So etwa die Einführung einer eigenen Währung namens “Facebook Credits”, welche sich eigentlich als Leitwährung hätte etablieren sollen.

Aber nicht alle Börsenexperten sind derart skeptisch. Einige schätzen die Zukunft des Unternehmens als grandios ein. Diese sind der Ansicht, dass das Online-Netzwerk über Jahre hinaus exzellente Wachstumsaussichten habe. Denn es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Unternehmen in der nahen Vergangenheit eine beeindruckende Performance hingelegt hat. So lag der Umsatz im Jahr 2009 noch bei 777 Mio. Dollar.

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